Bei Starkregen drückt Abwasser aus dem Kanal ins Haus zurück. Das nennt man Rückstau. Betroffen sind fast immer die tiefsten Entwässerungsstellen im Keller. Eine Rückstauklappe hält das ab – aber nur bei passender Situation und fachgerechtem Sitz. Dieser Ratgeber nennt die Einbauvoraussetzungen, erklärt die Tücken des senkrechten Einbaus und zeigt die maßgeblichen Normen: DIN EN 13564, DIN 1986-100 und DIN EN 12056. So sehen Sie vorab, ob bei Ihnen eine Klappe zulässig ist oder eine Hebeanlage nötig wird.
Rückstau und Rückstauebene: die Grundlagen
Rückstau entsteht, wenn der öffentliche Kanal mehr Wasser bekommt, als er abführen kann. Typische Auslöser: Starkregen oder ein Pumpenausfall. Das Abwasser steigt in den Anschlussleitungen zurück und sucht den tiefsten Ausgang. In den meisten Häusern ist das der Bodenablauf im Keller, die Waschküche oder die Kellertoilette. Ohne Schutz läuft das Schmutzwasser dort rückwärts ins Gebäude.
Zentral ist der Begriff Rückstauebene. Sie bezeichnet die Höhe, bis zu der das Wasser bei Rückstau ansteigen kann – meist die Oberkante der Straße am Anschlusspunkt, soweit die Kommune nichts Abweichendes bestimmt. Alles darunter ist rückstaugefährdet. Alles darüber entwässert mit natürlichem Gefälle sicher zum Kanal, solange der freie Abfluss erhalten bleibt.
Diese Abgrenzung ist kein Formalismus. Sie entscheidet, ob eine einfache Rückstauklappe reicht oder ob die Norm eine Abwasserhebeanlage fordert. Wer das verwechselt, baut womöglich eine Klappe ein, die im Schadensfall der Versicherung nicht standhält.
Die Normen im Überblick: DIN EN 13564, DIN 1986-100 und mehr
Beim Rückstauschutz greifen mehrere Normen ineinander. Sie legen fest, welches Bauteil wofür zugelassen ist und wie es eingebaut wird. Die Kürzel wirken sperrig – hier die praktische Übersetzung.
Welche Norm regelt was
| Norm | Regelt | Relevanz für Sie |
|---|---|---|
| DIN EN 13564 | Rückstauverschlüsse: Bauarten, Typen, Prüfung | Legt fest, welche Klappe für welches Abwasser taugt |
| DIN 1986-100 | Entwässerungsanlagen für Gebäude/Grundstücke | Planungsregeln: wann Klappe, wann Hebeanlage |
| DIN EN 12056 | Schwerkraftentwässerung innerhalb von Gebäuden | Grundlagen der Leitungsführung und Bemessung |
| DIN EN 752 | Entwässerung außerhalb von Gebäuden | Übergabepunkt und Kanalanschluss am Grundstück |
Zusammenspiel der Normen, Stand 2026
DIN EN 13564-1: Welcher Rückstauverschluss für welches Wasser
Die DIN EN 13564-1 ordnet Rückstauverschlüsse nach Typen – abhängig davon, ob fäkalienfreies oder fäkalienhaltiges Abwasser durchläuft und wie viele Verschlussklappen vorhanden sind. Kurz: Für reines Grauwasser aus Waschmaschine oder Bodenablauf gelten andere Bauarten als für eine Toilette mit Fäkalien. Für fäkalienhaltiges Abwasser sind zwei selbsttätige Verschlüsse plus Notverschluss vorgeschrieben. Wer eine Kellertoilette absichert, braucht die dafür zugelassene Bauart. Eine einfache Grauwasser-Klappe genügt hier nicht.
DIN 1986-100: Klappe oder Hebeanlage?
Die DIN 1986-100 setzt die Grundregel. Eine Rückstauklappe ist nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt: Die Entwässerungsstelle liegt unterhalb der Rückstauebene, betroffen ist nur ein untergeordneter Raum, der bei Rückstau nicht genutzt wird, und es besteht natürliches Gefälle zum Kanal. Zusätzlich muss im Rückstaufall ein nutzbares WC oberhalb der Rückstauebene verfügbar bleiben. Fehlt auch nur ein Punkt, fordert die Norm eine Abwasserhebeanlage, die das Wasser über die Rückstauebene hebt und dann der Schwerkraft übergibt.
Einbauvoraussetzungen: Wann eine Rückstauklappe zulässig ist
Vor jedem Werkzeuggriff steht die Grundfrage: Ist bei Ihnen eine Klappe erlaubt? Die folgenden Voraussetzungen müssen gemeinsam erfüllt sein. Fehlt eine, führt meist kein Weg an einer Hebeanlage vorbei.
- Die Entwässerungsstelle liegt unterhalb der Rückstauebene – nur dann ist Schutz überhaupt nötig.
- Es besteht durchgehendes Gefälle zum Kanal, damit das Wasser bei geöffneter Klappe frei abläuft.
- Betroffen sind nur untergeordnete Räume (z. B. Hobbyraum, Waschküche), die bei Rückstau nicht genutzt werden.
- Ein weiteres WC liegt oberhalb der Rückstauebene und bleibt im Rückstaufall nutzbar.
- Der Bewohner akzeptiert, dass die abgesicherte Stelle bei Rückstau vorübergehend nicht entwässert.
Der letzte Punkt wird häufig übersehen: Eine geschlossene Rückstauklappe sperrt den Kanal. Während sie Wasser abhält, kann die dahinterliegende Stelle selbst nichts ableiten. Wer also im Keller gerade die Waschmaschine laufen hat und zugleich Rückstau hat, bekommt ein Problem. Genau deshalb lässt die Norm Klappen nur für untergeordnete Nutzung zu. Für eine voll genutzte Kellerwohnung mit Bad und Küche ist fast immer die Hebeanlage die richtige Lösung.
Rückstauklappe oder Abwasserhebeanlage?
Rückstauklappe
- Für untergeordnete Räume unterhalb der Rückstauebene
- Setzt Gefälle zum Kanal voraus
- Sperrt bei Rückstau den Abfluss der Stelle
- Geringerer baulicher Aufwand
- Regelmäßige Wartung nötig
Abwasserhebeanlage
- Für genutzte Räume und fehlendes Gefälle
- Hebt Abwasser über die Rückstauebene
- Entwässert auch während des Rückstaus
- Höherer Aufwand, Stromanschluss nötig
- Pflicht, wenn Klappen-Voraussetzungen fehlen
Senkrechter Einbau: Warum die Lage der Klappe zählt
Rückstauverschlüsse sind für liegende Leitungen entwickelt und geprüft. Grund ist die Mechanik: Die Klappe muss bei normalem Abfluss durch die Strömung öffnen und bei Rückstau sauber auf ihren Sitz fallen. In einer waagerechten Leitung läuft das zuverlässig, weil die Klappe im passenden Winkel arbeitet.
In einer senkrechten Leitung – etwa einem Fallrohr – ist das anders. Dort fehlt die seitliche Strömung. Schwerkraft und Dichtwirkung geraten in Konflikt, und viele Verschlüsse schließen nicht mehr sicher. Ein senkrechter Einbau ist deshalb nur erlaubt, wenn der Hersteller das Bauteil ausdrücklich dafür zugelassen und geprüft hat. Wer eine für den waagerechten Einbau gedachte Klappe hochkant setzt, riskiert ein Versagen im Ernstfall – verbaut, aber funktionslos.
In der Praxis prüfen wir zuerst, wo die Leitung verläuft und in welcher Lage sie zugänglich ist. Oft findet sich eine waagerechte Einbaustelle im Kellerboden oder direkt am Übergang zur Grundleitung. Nur wenn das nicht geht, kommen speziell für den senkrechten Einbau zugelassene Modelle oder andere Lösungen infrage. Diese Einschätzung lässt sich seriös nur vor Ort treffen.
So geht ein Fachbetrieb beim Einbau vor
Der Einbau selbst ist nur ein Teil. Die Planung davor entscheidet, ob der Schutz hält. So läuft ein fachgerechter Ablauf ab – von der ersten Begehung bis zur Übergabe.
Ablauf Einbau einer Rückstauklappe
- Bestandsaufnahme und Rückstauebene klärenLage der Entwässerungsstellen, Höhe gegenüber der Rückstauebene und Gefälle zum Kanal erfassen. Hier klärt sich, ob Klappe oder Hebeanlage zulässig ist.
- Leitung inspizierenMit einer Kanal-TV-Untersuchung Zustand, Verlauf und Durchmesser prüfen. So wird die passende, nach DIN EN 13564 zugelassene Einbaustelle und Bauart bestimmt.
- Bauart und Einbaulage festlegenVerschlusstyp passend zur Abwasserart (fäkalienfrei oder fäkalienhaltig) wählen und die vom Hersteller zugelassene Einbaulage einhalten – in der Regel waagerecht.
- Einbau und AbdichtungKlappe in die aufgetrennte Leitung setzen, fachgerecht abdichten und auf freie Beweglichkeit des Verschlusses achten. Revisionsöffnung zugänglich halten.
- Funktionsprüfung und EinweisungSchließfunktion kontrollieren, bei Bedarf Dichtheit prüfen und den Bewohner in Wartung und Notverschluss einweisen.
Besonders Schritt zwei zahlt sich aus: Eine Kanal-TV-Untersuchung zeigt nicht nur, wo die Klappe hin soll, sondern deckt oft weitere Mängel auf – etwa undichte Muffen oder Ablagerungen, die den Abfluss ohnehin bremsen. Wer das gleich mit erfasst, spart ein zweites Aufgraben.
Wartung: Ein Rückstauschutz ist kein Bauteil zum Vergessen
Eine Rückstauklappe arbeitet oft jahrelang, ohne je schließen zu müssen – genau das ist die Gefahr. Ablagerungen oder verhärtete Dichtungen fallen im Alltag nicht auf, sondern erst beim echten Rückstau. Dann ist es zu spät. Norm und Hersteller fordern deshalb regelmäßige Wartung, meist halbjährlich, bei fäkalienhaltigem Abwasser häufiger.
- Verschlussklappe und Sitz von Ablagerungen reinigen
- Dichtung auf Risse und harte Stellen prüfen
- Freie Beweglichkeit der Klappe kontrollieren
- Notverschluss auf Funktion testen
- Bei Auffälligkeiten Dichtheitsprüfung veranlassen
Worauf es bei der Entscheidung ankommt
Die beste Klappe nützt nichts, wenn sie falsch sitzt oder nie gewartet wird – der Schutz steht und fällt mit Planung und Pflege.
Wer sich die Wartung nicht zutraut, sollte sie fest einplanen. Als Betrieb mit Sitz in Gießen und acht Standorten in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg übernehmen wir neben dem Einbau auch die regelmäßige Kontrolle – inklusive Kanal-TV und Dichtheitsprüfung, wenn ein tieferliegender Schaden zu vermuten ist.





